24-Stunden-Pflege: Rund-um-die-Uhr-Betreuung zu Hause

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Zunächst einmal: Der Begriff „24-Stunden-Pflege“ ist eigentlich etwas irreführend. Es handelt sich nicht um eine tatsächliche Betreuung rund um die Uhr im Minutentakt, sondern um eine sogenannte häusliche Betreuung durch eine Betreuungskraft, die im Haushalt der pflegebedürftigen Person lebt. Diese Betreuungskraft kommt häufig aus Osteuropa und unterstützt im Alltag – etwa beim Anziehen, bei der Körperpflege, beim Kochen, Putzen oder beim Spazierengehen. Sie ist präsent und ansprechbar, was besonders in Situationen mit hoher Betreuungsintensität von großem Wert ist.

Was bedeutet „24-Stunden-Pflege“ wirklich?

Der Begriff „24-Stunden-Pflege“ klingt, als würde rund um die Uhr aktiv gepflegt und betreut – doch das ist so pauschal nicht richtig.

Tatsächlich bedeutet diese Form der Betreuung, dass eine Betreuungskraft im Haushalt der pflegebedürftigen Person mitwohnt und tagsüber wie auch nachts ansprechbar ist. Das heißt aber nicht, dass sie durchgehend arbeitet. Vielmehr wechseln sich aktive Betreuungszeiten mit Ruhepausen ab. Die Betreuungsperson ist in der Regel in Rufbereitschaft, sollte also erreichbar sein, wenn nachts etwas passiert – doch sie hat selbstverständlich auch Anspruch auf Schlaf, Freizeit und Pausen.

Wichtig zu wissen: Eine echte 24-Stunden-Arbeitszeit ist in Deutschland nicht erlaubt, denn auch für Betreuungskräfte gelten arbeitsrechtliche Vorgaben. Seriöse Anbieter achten darauf, dass die Betreuer*innen nicht überlastet werden und klare Absprachen getroffen werden, wie der Alltag gemeinsam gestaltet wird.

Diese Art der Betreuung kann eine große Entlastung für Angehörige bedeuten – vor allem, wenn sich Betreuung und Haushalt nicht mehr allein bewältigen lassen. Damit das funktioniert, braucht es gegenseitigen Respekt, klare Erwartungen und eine gute Organisation des Tagesablaufs.

Was macht eine 24-Stunden-Pflegekraft?

Eine 24-Stunden-Betreuungskraft ist Alltagshelferin, Begleiterin und Bezugsperson in einem. Ihr Aufgabenbereich ist vielseitig und richtet sich immer nach den individuellen Bedürfnissen der pflegebedürftigen Person – aber auch nach dem, was rechtlich und fachlich erlaubt ist.

Hier ein Überblick über typische Aufgaben:

1. Unterstützung im Alltag

  • Hilfe bei der Körperpflege (Waschen, Anziehen, Toilettengänge)

  • Unterstützung bei der Mobilität (z. B. beim Aufstehen, Gehen, Treppensteigen)

  • Zubereitung und Anreichen von Mahlzeiten, ggf. nach ärztlichen Vorgaben

  • Hilfe beim Strukturieren des Tages und bei einfachen Aktivitäten wie Spazierengehen oder Zeitunglesen

2. Haushaltstätigkeiten

  • Kochen, Putzen, Waschen

  • Einkaufen, ggf. mit Begleitung oder eigenständig (je nach Sprachkenntnissen und Mobilität)

  • Ordnung halten im Wohn- und Schlafbereich der gepflegten Person

3. Emotionale Unterstützung

  • Ein offenes Ohr, Zeit für Gespräche

  • Gemeinsame Beschäftigung: Gesellschaftsspiele, Fernsehabende, gemeinsames Kochen

  • Ein Gefühl von Sicherheit und Verlässlichkeit, besonders wichtig bei Demenz

4. Organisation und leichte medizinische Unterstützung

  • Terminabsprachen mit Ärzten oder Therapeuten

  • Erinnerung an die Einnahme von Medikamenten (Verabreichung nur, wenn ärztlich erlaubt und angeleitet)

  • Unterstützung bei der Kommunikation mit Pflegediensten, Angehörigen oder Krankenkassen

Wichtig ist: Betreuungskräfte dürfen keine medizinischen Behandlungen durchführen – dafür ist der ambulante Pflegedienst zuständig. In vielen Haushalten ergänzt man daher die Betreuungskraft durch regelmäßige Besuche eines Pflegedienstes, z. B. für Injektionen, Verbände oder Medikamentengaben.

Gibt es 24-Stunden-Pflege wirklich?

Ja – aber nicht so, wie der Begriff es vermuten lässt. Eine echte, pausenlose Rund-um-die-Uhr-Betreuung ist weder menschlich noch rechtlich möglich. Betreuungskräfte dürfen in Deutschland nicht 24 Stunden am Stück arbeiten – auch sie haben Anspruch auf Ruhezeiten, Pausen und Freizeit.

Was sich hinter dem Begriff „24-Stunden-Pflege“ verbirgt, ist eine häusliche Betreuung mit Anwesenheit im Haushalt, oft in Rufbereitschaft. Das bedeutet: Die Betreuungskraft ist den Großteil des Tages vor Ort, übernimmt viele Aufgaben im Alltag – und kann im Notfall auch nachts helfen. Aber sie arbeitet nicht durchgehend, sondern benötigt einen geregelten Tagesablauf mit Erholungsphasen.

Wechselmodell statt Dauerpräsenz

Die meisten Betreuungskräfte arbeiten in einem Wechselmodell: Sie bleiben etwa 6 bis 8 Wochen (in manchen Fällen auch bis zu 3 Monate) bei einer Familie – danach reisen sie zurück in ihr Heimatland, und eine Ersatzkraft übernimmt den nächsten Turnus. Dieser Wechsel ist wichtig, um Überlastung zu vermeiden und langfristig eine stabile Betreuung sicherzustellen.

Betreuung meist über Agenturen organisiert

In der Praxis läuft die Vermittlung und Organisation häufig über spezialisierte Agenturen, die mit Betreuungskräften aus Osteuropa zusammenarbeiten – etwa aus Polen, Rumänien oder Bulgarien. Diese Agenturen kümmern sich um Anreise, Verträge, Versicherung und bei Bedarf auch um einen Ersatz bei Ausfall oder Krankheit.

Wichtig für Angehörige: Achten Sie auf seriöse Anbieter, die transparent über Kosten, Arbeitszeiten und rechtliche Rahmenbedingungen informieren. Schwarzarbeit oder unrealistische Versprechen wie „Betreuung ohne Pausen“ führen nicht nur zu Problemen, sondern gefährden auch die Qualität und Stabilität der Versorgung.

24-Stunden-Pflege zu Hause: Vorteile und Herausforderungen

Die Entscheidung für eine 24-Stunden-Betreuung zu Hause bringt viele Chancen mit sich – aber auch einige Punkte, die gut durchdacht sein sollten. Hier ein ehrlicher Blick auf beide Seiten:

Vorteile

Pflege in vertrauter Umgebung
Viele ältere Menschen möchten ihren letzten Lebensabschnitt zu Hause verbringen, umgeben von gewohnten Möbeln, Nachbarn und Erinnerungen. Eine häusliche Betreuung macht genau das möglich – ohne den belastenden Umzug in ein Heim.

Individuelle Betreuung
Im Gegensatz zu stationären Einrichtungen kann die Betreuungskraft ganz auf die Bedürfnisse und Vorlieben der pflegebedürftigen Person eingehen: Essenszeiten, Rituale, Hobbys – all das kann im Alltag berücksichtigt werden.

Entlastung der Angehörigen
Gerade wenn Familienangehörige nicht vor Ort wohnen oder beruflich stark eingebunden sind, bedeutet die 24-Stunden-Betreuung eine große emotionale und praktische Entlastung. Das Wissen, dass jemand vor Ort ist, gibt Sicherheit.

Herausforderungen

Wohnraumbedarf
Die Betreuungskraft benötigt ein eigenes, abschließbares Zimmer mit Bett und Stauraum sowie Zugang zu Bad und Küche. Nicht jede Wohnsituation lässt das problemlos zu.

Sprachbarrieren
Viele Betreuungskräfte kommen aus Osteuropa. Auch wenn die meisten Grundkenntnisse in Deutsch mitbringen, kann die Kommunikation zu Beginn herausfordernd sein – vor allem bei Demenz oder in sensiblen Situationen.

Kosten
Je nach Anbieter, Qualifikation und Umfang der Betreuung liegen die monatlichen Kosten oft zwischen 2.000 und 3.500 Euro. Das ist eine Investition, die nicht jede Familie ohne Weiteres stemmen kann – auch wenn es Unterstützungsleistungen gibt.

Qualitätssicherung
Die Betreuung zu Hause erfolgt meist ohne tägliche Fachaufsicht. Angehörige müssen daher ein Auge darauf haben, dass es der Betreuungskraft gut geht, Absprachen eingehalten werden und sich keine Überforderung aufbaut. Eine regelmäßige Pflegeberatung und ggf. ein ambulanter Pflegedienst können hier unterstützend wirken.

Seriöse 24-Stunden-Pflege: Woran erkennt man gute Anbieter?

Der Markt für 24-Stunden-Betreuung ist groß – und leider längst nicht jeder Anbieter arbeitet transparent und rechtskonform. Umso wichtiger ist es, sich Zeit zu nehmen und genau hinzuschauen. Denn: Eine gute Betreuung beginnt mit einem seriösen Vertragspartner.

Woran erkenne ich einen seriösen Anbieter?

Transparente Verträge
Ein guter Anbieter legt von Anfang an alle Kosten offen – ohne versteckte Gebühren. Der Vertrag sollte klar regeln, welche Leistungen erbracht werden, wie lange die Einsatzdauer ist, welche Rechte und Pflichten beide Seiten haben und was im Krankheitsfall oder bei Problemen passiert.

Beratung vor Vertragsabschluss
Bevor Sie etwas unterschreiben, sollte ein ausführliches, individuelles Beratungsgespräch stattfinden. Seriöse Agenturen fragen gezielt nach der Pflegesituation, dem Wohnraum, den Erwartungen – und bieten nicht einfach ein Standardpaket an.

Legalität der Beschäftigung
Achten Sie darauf, dass die Betreuungskraft legal beschäftigt ist – etwa über das Modell der EU-Dienstleistungsfreiheit oder als angestellte Kraft mit Sozialversicherung. Schwarzarbeit mag zunächst günstiger erscheinen, ist aber illegal und kann ernste Konsequenzen haben – auch für die Angehörigen.

Deutschsprachiger Ansprechpartner
Im Bedarfsfall muss schnell jemand erreichbar sein. Ein deutschsprachiger Ansprechpartner in Deutschland (nicht nur eine Telefonnummer im Ausland!) ist ein klares Qualitätsmerkmal. Gute Anbieter bieten auch während des laufenden Einsatzes Betreuung und Unterstützung an.

Unterstützung durch Pflegeberater:innen
Viele Angehörige fühlen sich bei der Auswahl überfordert – hier kann eine Pflegeberatung eine große Hilfe sein. Pflegeberater:innen wissen, worauf es ankommt, kennen vertrauenswürdige Agenturen und können auch bei der Organisation und Antragstellung unterstützen.

24-Stunden-Pflege Qualitätssicherung

Auch wenn die Betreuung im häuslichen Umfeld stattfindet, bedeutet das nicht, dass sie sich der Kontrolle entzieht. Im Gegenteil: Eine gute 24-Stunden-Betreuung lebt davon, dass sie begleitet, reflektiert und kontinuierlich verbessert wird.

Pflegeberatung nach § 37.3 SGB XI

Pflegebedürftige mit Pflegegrad, die zu Hause betreut werden, haben Anspruch auf eine regelmäßige Pflegeberatung durch eine zugelassene Pflegefachkraft – mindestens einmal pro Quartal, bei höheren Pflegegraden sogar häufiger. Diese Beratung dient nicht nur der Unterstützung der Angehörigen, sondern auch der Qualitätssicherung. Die Pflegeberatung kann helfen, Probleme frühzeitig zu erkennen und Lösungen zu finden – auch in Zusammenarbeit mit der Betreuungskraft.

Rückmeldungen und Betreuung durch die Agentur

Seriöse Agenturen lassen Sie nach Vertragsabschluss nicht allein. Sie bieten regelmäßige Rücksprachen, Feedbackgespräche und bei Bedarf auch einen Wechsel der Betreuungskraft an. Eine offene Kommunikation mit der Agentur ist entscheidend – sowohl bei positiven Entwicklungen als auch bei Konflikten oder Unstimmigkeiten.

Dokumentation von Pflegeleistungen

Auch wenn Betreuungskräfte keine examinierten Pflegekräfte sind, ist eine einfache Form der Dokumentation hilfreich – etwa ein Tagesprotokoll oder ein Betreuungsbuch, in dem Besonderheiten, Stimmung, Mahlzeiten oder Aktivitäten festgehalten werden. Das schafft Transparenz und hilft Angehörigen, den Überblick zu behalten.

Fortbildung und Schulung

Gute Agenturen achten darauf, dass ihre Betreuungskräfte geschult sind – etwa im Umgang mit Demenz, bei Ernährung im Alter oder in der Kommunikation mit Pflegebedürftigen. Zwar sind sie keine medizinisch ausgebildeten Pflegekräfte, doch regelmäßige Weiterbildung stärkt die Qualität und Sicherheit der Betreuung.

Kosten und Finanzierung

Die Betreuung einer pflegebedürftigen Person rund um die Uhr ist eine große Hilfe – aber auch mit spürbaren Kosten verbunden. Angehörige fragen sich deshalb oft: Was kommt auf uns zu? Und welche Unterstützung gibt es?

Was kostet eine 24-Stunden-Betreuung?

Die monatlichen Kosten liegen – je nach Agentur, Qualifikation der Betreuungskraft und individuellen Anforderungen – in der Regel zwischen 2.000 und 3.500 Euro. In diesem Betrag enthalten sind meist:

  • Gehalt der Betreuungskraft

  • Sozialabgaben und Versicherung

  • An- und Abreise

  • Vermittlungsgebühr bzw. Agenturleistung

Zusätzliche Kosten können durch die Unterkunft (z. B. erhöhte Nebenkosten), Verpflegung und eventuelle Zusatzleistungen entstehen.

Welche finanziellen Hilfen gibt es?

Auch wenn die Kosten zunächst hoch erscheinen – es gibt verschiedene Möglichkeiten, staatliche Unterstützung zu nutzen:

1. Pflegegeld (je nach Pflegegrad)
Pflegebedürftige mit anerkanntem Pflegegrad erhalten monatlich Pflegegeld, das für die Finanzierung der Betreuung genutzt werden kann. Die Höhe variiert je nach Pflegegrad:

  • Pflegegrad 2: 316 €

  • Pflegegrad 3: 545 €

  • Pflegegrad 4: 728 €

  • Pflegegrad 5: 901 €

2. Verhinderungspflege und Kurzzeitpflege
Wenn Angehörige zeitweise ausfallen oder entlastet werden müssen, kann Verhinderungspflege (bis zu 1.612 € pro Jahr) und ggf. anteilig auch Kurzzeitpflege genutzt werden. Diese Beträge lassen sich kombinieren und auf die Betreuungskosten anrechnen – in Absprache mit der Pflegekasse.

3. Steuerliche Absetzbarkeit
Ein Teil der Kosten kann als haushaltsnahe Dienstleistung steuerlich geltend gemacht werden – bis zu 4.000 € pro Jahr (20 % von max. 20.000 € Ausgaben). Voraussetzung ist, dass die Betreuungskraft legal beschäftigt ist und Rechnungen vorliegen.

Fazit: Für wen ist die 24-Stunden-Pflege geeignet?

Die 24-Stunden-Betreuung zu Hause ist eine wertvolle Möglichkeit für Menschen mit hohem Pflege- oder Betreuungsbedarf, die dennoch in ihrer gewohnten Umgebung bleiben möchten. Gerade bei Erkrankungen wie Demenz, körperlicher Einschränkung oder bei einem hohen Bedürfnis nach Sicherheit und Begleitung ist dieses Modell eine sinnvolle Alternative zum Pflegeheim.

Doch: Damit diese Betreuungsform langfristig funktioniert, braucht es mehr als nur eine Betreuungskraft. Entscheidend sind:

  • eine gute Organisation im Vorfeld (Wohnsituation, Aufgabenverteilung, Tagesstruktur),

  • realistische Erwartungen an die Betreuungskraft (keine pausenlose Verfügbarkeit),

  • und vor allem eine seriöse Vermittlung, die auf faire Arbeitsbedingungen und rechtliche Sicherheit achtet.

Für Angehörige bedeutet das: Dranbleiben, begleiten, mitdenken – und im Zweifel auch Unterstützung durch Pflegeberater:innen oder ambulante Dienste in Anspruch nehmen.

Wenn all das zusammenpasst, kann die 24-Stunden-Pflege zu einer stabilen, menschlichen und würdevollen Lösung werden – für die Pflegebedürftigen genauso wie für ihre Familien.

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